Ich sah deine Probe mit «The Crickets» letztes Jahr im «House of Blues» in Hollywood und musste lachen als ich eine deiner Töchter tanzen und hüpfen sah während ihr Vater spielte. Du hast auch an der Schule deiner ältesten Tochter gespielt. Hast Du eine Ahnung, ob deine Kinder wissen was Du beruflich machst und was sie davon denken?
Ja, ich denke sie wissen das. Aber sie sehen das aus ihrer kindlichen Perspektive. Das ist auch gut so, weil es nur ein kleiner Teil ihres täglichen Lebens ist. Doch bis jetzt habe ich noch nicht gesehen wie sie reagieren, wenn andere Leute kommen um mich zu sehen und ich glaube das verwirrt sie manchmal. Der Vorfall im «House of Blues» war interessant, weil sie dort die Möglichkeit hatten zu sehen wie Musiker zusammenkommen um zu proben. Aber ich glaube sie haben noch nicht rausgefunden wozu das Publikum da ist.
Haben sie dich in der Nacht zuvor im Hollywood Bowl spielen gehört?
Ja sie waren da und sie sind auch schon nach London gekommen um mich spielen zu hören. Ich bin mir aber nicht sicher, ob sie schon verstanden haben worum es geht.
Verlangst Du von deinen Kindern, dass sie einen Gehörschutz tragen?
Nein, hab ich nicht, aber es war mir ein Anliegen. In diesen Belangen vertraue ich ganz meiner Frau. Wenn sie denkt es ist zu laut, bin ich sicher, dass sie mit den Kindern die Arena verlässt.
Mit der Ausnahme von „Run Home To Me“ sind die meisten Gitarren-Solos auf „Back Home“ sehr kurz und bündig und sehr geschmackvoll. Es scheint, als ob Du es geniesst dich in einem eng arrangierten musikalischen Kontext zu platzieren wo Du deine Aussagen auf der Gitarre sehr vorsichtig und auf eine sehr ausgeglichene Art machst. Lieber, als wenn die Band improvisiert und Du drauflos spielst. Ist das richtig? Und fordert es dich mehr heraus in diesem Format zu spielen anstelle von einem etwas eher lockeren und improvisierten?
Ja, das ist etwas das ich schon immer machen wollte. Ich kann das jetzt nur in Konzerten machen. Aber ich denke auf einem Album würden die Proportionen nicht stimmen, wenn ein Song ein sehr langes Solo hat und die anderen nicht; das Gesamtbild muss stimmen. Wenn es ein Album mit Songs ist, muss das Priorität haben.
Der Song „Lost and Soul“ hat ein sehr abruptes Ende mitten in deinem Solo und ich frage mich, ob das beabsichtigt war?
Ja, das soll eine Hommage an D’Angelo sein, der so etwas auch auf seinem Album „Voodoo“ gemacht hat.
Also, ich bin mir sicher, dass sich D’Angelo geschmeichelt fühlt, dass Du seine Arbeit bewunderst .
(lacht). Er weiss, dass ich ihn gut finde. Auf seinem Album „Voodoo“ gibt es einen Song der sehr nach Prince klingt und eben genauso endet.
B.B. King hat mal erzählt, dass er bis Mitte der 60er Jahre, als verschiedene englische Rock-Bands begannen seine Lieder zu singen, von sich selbst dachte er sei ein Sänger der Gitarre spielt, aber jetzt denkt er sei ein Gitarrist der singt. Was denkst Du darüber und verringert der konstante Fokus auf dich als legendärer Gitarren Gott die Tatsache, dass Du ein begnadeter und talentierter Sänger bist?
Also, ich dachte auch das B.B. ein Sänger ist der Gitarre spielt. Um ehrlich zu sein, dachte ich als ich seine frühesten Werke hörte, dass das Gitarre spielen nur den Gesang vervollständigt. Dann hörte ich Live-Alben wie „Live At The Regal“ und realisierte, dass das etwas ganz anderes war. Leute live zu hören, die R&B und Blues Grössen live zu hören, vermittelt einem ein neues Bild und manchmal ist das sogar das Zutreffendere. Bei mir ist es dasselbe. Wenn ich ein Album mache, versuchen wir die Perspektive auf den Teil zu richten, der am wichtigsten ist. Auf der Bühne habe ich einen offeneren Zugang zu dem Ganzen; es kann überall hingehen und ich denke es sollte überall hingehen. Wenn das Publikum vor dir sitzt zeigt es keinen Respekt, wenn Du dich darauf beschränkst die Songs so zu Spielen wie auf dem Album. Und das ist genau der Punkt, wo wir wirklich zu Musikern werden, wenn wir es schaffen uns von den Songs zu lösen.
Vor ungefähr 10 Jahren fragte ich B.B. King, er war gerade 70, ob er schon daran gedacht hat einen Gang zurück zu schalten und er sagte mit einem Grinsen, dass er darüber nachdenkt seinen Tourplan zu reduzieren. Als ich ihn bat näher darauf einzugehen sagte er, dass er im nächsten Jahr nur noch 200 Konzerte geben will anstelle von 250. Nebst seiner offensichtlichen Liebe zur Musik, was denkst Du treibt ihn an sein ungeheures Tempo beizubehalten?
Er ist vermutlich gar nicht in der Lage ohne Musik zu leben.
Und wie ist es bei dir?
Ich könnte nicht mehr so lange auf Tournee gehen. Ich habe viel investiert um zu Hause sein zu können. Wäre ich so viel unterwegs wie B.B, ich wäre vermutlich andauernd am Telefon um zu hören ob zu Hause alles in Ordnung ist.
Ray Charles hat mal erzählt, dass wenn er darüber nachdenkt Lieder von anderen Künstlern zu covern, er das Gefühl hat das Recht zu erhalten künstlerisch und musikalisch jeglichste Veränderungen vorzunehmen die er will. Aber ebenso hat er das Gefühl, dass wenn er nicht sofort den Zugang zu den Texten auf emotionaler Ebene hat, es ihn nicht interessiert. Welches sind deine Kriterien Lieder von anderen Musikern zu wählen um sie zu covern?
Am meisten beeinflusst werde ich vom Groove der ganzen Platte, gar nicht unbedingt von den einzelnen Songs. Wenn man die Songs auf dem Album „Back Home“ anhört, geht es mehr um das Gefühl der ganzen Platte als um die Texte selbst. Manchmal weiss ich gar nicht erst was die Leute sagen wollen wenn sie singen. Als ich jünger war, war es phonetisch; ich mochte den Klang der Wörter mehr als die Wörter selbst.
Ich erinnere mich, als ich selbst noch in der Schule war und in einer Rock-Band, dass ich ein Album immer und immer wieder abgespielt habe nur um die Texte zu verstehen. Das war noch in der Vynil-Aera. Jahre später habe ich rausgefunden, dass ich die Texte komplett falsch verstanden habe. Als Du jung warst, hast Du die Texte der Songs von Robert Johnson gelernt indem Du das Album immer wieder gehört hast?
Ja, ich hatte keinen Schimmer um was es ging. Ich weiss es erst jetzt.
Denkst Du, dass Du sie damals falsch verstanden hast?
(Gluckst). Ja, das ist so.
Auf alten Fotos aus der Zeit der Yardbirds trägst Du enge Anzüge und schmale Krawatten, so wie das Modern Jazz Quartett auf ihren Album-Covers bei Atlantic Records. War dein Mode-Geschmack damals vom Jazz beeinflusst?
Das war damals halt so. Mein Kleider-Stil in diesen Tagen war der von Ivy League und ich war ein grosser Jazz-Fan. Ich kaufte mir damals Alben von Lee Morgan und John Coltrane und war sehr beeindruckt von ihrem Stil auf den Covern.
Ich weiss aus einem Gespräch mit Nathan East dass Du ein grosser Jazz-Fan bist und wie Du eben selbst gesagt hast ein grosser Bewunderer von Coltrane, Lee Morgan und Thelonious Monk. Aber man hört dich kaum über diese Musik sprechen und den Einfluss den sie auf dich hat. Vielleicht, weil dich einfach noch nie jemand gefragt hat. Wie sehr hat Jazz die Musik beeinflusst die Du machst, direkt oder indirekt?
Als ich aufwuchs habe ich Jazz und Blues gleichzeitig gehört. Ich erinnere mich, wie ich in einen Plattenladen in Richmond ausserhalb London ging und die hatten da nur Jazz und Blues, kein Pop. Also hab ich mir ein Akustik Album von John Lee Hooker, nebst Platten von Monk oder Clifford Brown gekauft. Für mich gab es damals keinen hörbaren Unterschied zwischen den beiden Stilrichtungen. Ich hatte keine Ahnung, dass einen Unterschied gibt. Und so wie die Musikszene in England zu dieser Zeit war, spielte es auch keine Rolle. Die Leute spielten in denselben Clubs. Ronnie Scotts Jazz Club in London hatte Rahsaan Roland Kirk in der einen Woche und in der nächsten Sony Terry und Brownie MCGhee. Deshalb schien es für mich, als ob es das gleich ist oder vielmehr wie zwei verschiedene Äste vom Gleichen Baum.
Kannst Du etwas über den Einfluss von Jazz auf deine eigene Musik sagen? Offensichtlich kannst Du nicht spielen wie Coltrane auf seinem Saxophon. Aber inwiefern hat das hören seiner Musik deine Musik beeinflusst.
Ich denke es ist einfach die Atmosphäre und die Spontanität, die Kreativität des Ganzen war was uns auf die Bühne zog in Cream, mit einer Menge von diesem free-form Zeug, obwohl es in seiner Tonalität immer noch ziemlich limitiert war.
Ich habe kürzlich in einer Englischen Zeitung gelesen, dass Jack Bruce und Ginger Baker sagten, dass sie Cream als Pop-Gruppe sahen, welche sich auf die Musik von Ornette Coleman fokussierten, aber niemals sagten, Du seiest Ornette. Ist das wahr?
(lacht) Das klingt ganz nach Jack. Nein, das haben sie mir nie gesagt, aber es klingt ganz passend.
Wenn jemand eines Deiner Alben kauft oder ein Ticket um dich spielen zu hören, was willst Du ihm zurückgeben?
Die Wahrheit. Einfach nur eine ehrliche Performance, ehrlich ich freue mich jedes Mal zu spielen und es wird nur zur Tortur, wenn ich krank oder müde bin oder ich nicht gut fühle.
Mit wem arbeitest Du zusammen auf den Du wirklich vertrauen kannst, der Dir sagt, wenn musikalisch etwas nicht so ist wie es sein sollte? Ist das vielleicht Simon Cliemie, dein musikalischer Partner? Oder anders gesagt: Hast Du Leute um dich, die Dir nicht in den Arsch kriechen und keine Angst davor haben dir die Wahrheit ins Gesicht zu sagen?
Es gibt überhaupt niemand, der mir in den Arsch kriecht, die würden es hier nicht lange machen, wenn sie es täten. Aber es ist schon Simon oder auch Alan Douglas, der mit uns arbeitet und ein unglaublich talentierter Ingenieur ist. Er arbeitet an allen Alben mit und organisiert alles uns ist grossartig bei Live-Aufnahmen, wenn Du eine ganze Band oder ein Orchester hast.
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