Das letzte Mal als ich John McLaughlin interviewte habe ich ihn gefragt, welches seine musikalischen Stärken und Schwächen sind. Und es war sehr bescheiden von einem so guten Musiker zu hören, dass er frustriert sei, da er niemals all das spielen kann, was er in seinem Kopf hat. Was denkst Du sind deine Stärken und Schwächen?
(lacht). Ich bin vermutlich das genaue Gegenteil von John. Er denkt an Dinge die er spielen möchte aber nicht kann und ich kann gar nicht denken. Mein Spielen ist viel besser als meine Fähigkeit zu spielen was ich denke. Das ist der Grund, weshalb ich nie ein Jazz-Musiker sein werde, ich höre es nicht in meinem Kopf. Ich spiele von woanders, von wo aus es einfach in meine Hände geht. Ich habe ein paar Mal versucht zu singen während ich spielte und es hat nicht geklappt. Hie und da bin ich dazu in der Lage, aber meistens bin ich sehr limitiert in dieser Hinsicht.
1995 gingst Du auf Europa-Tournee. In der Band waren neben dir nur noch Joe Sample, David Sanborn, Steve Gadd und Marcus Miller. Wie würdest Du den Charakter der Band beschreiben und gab es einen Leader oder waren alle gleichberechtigten Bandmitglieder?
Der Leader war Marcus. Es war sein Ding und er stand an der Front; es war so eine Art Bass-Gitarren Band und es hat allen grossen Spass gemacht. Marcus hatte keine Probleme damit diese Rolle zu übernehmen. Er führte uns sozusagen gänzlich mit seinem Rhythmus und das war es auch, was das Publikum von uns bekam. Es war grossartig, wir haben alle wirklich gut zusammengepasst. Der einzige der etwas im Schatten stand war Joe Sample. Er ist zu liebenswürdig und unsere Show war wirklich sehr rau.
Hast Du mit dieser Band auch Aufnahmen gemacht?
Wir haben am Montreux Jazz Festival gespielt und dort wird einfach alles aufgenommen. Ich bin mir sicher, dass einige Live-Mitschnitte in Umlauf sind.
Als Du in der Royal Albert Hall die alten Cream Zeiten noch mal hast aufleben lassen, warst Du da irgendwie überrascht von den Songs, die Du so lange nicht mehr gespielt hast?
Ja, ein Song „Outside Woman Blues“ welcher sich auf dem Album sehr einfach und simpel anhört. Doch als ich ihn anfing zu proben realisierte ich, dass es viel mehr benötig der Gitarrist von Cream zu sein. So war es beim gesamten Repertoire.
Was war genau der Ansporn für die Cream-Reunion?
Es war einfach für mein eigenes Wohlergehen. Ich hatte das Gefühl, dass es an der Zeit war ein bisschen nachsichtiger zu sein.
Inwiefern nachsichtiger?
In Sache Freundschaft und das Heilen alter Wunden. Es gab immer eine gewisse Unzufriedenheit und das lies ich die Anderen spüren. Als wir in die „Rock and Roll Hall of Fame“ aufgenommen wurden, dachte ich, es sei wichtig sich wieder anzunähern.
War es hilfreich, dass es nur ein paar wenige Konzerte in der Royal Albert Hall waren und keine riesige Tournee mit viel Medienrummel?
Ja, wir müssen spüren wohin wir wollen. Ich denke wir werden mehr machen.
Wird es eine Amerika-Tournee geben?
Ich denke wir werden einige Konzerte in New York geben.
Normalerweise frage ich erfahrene Musiker ob sie mehr Interviews gaben als sie sich erinnern können. Du hast nur ein paar wenige gemacht. Und dann ist da natürlich Frank Zappas klassische Definition von Rock-Journalismus die da wäre: «Leute die nicht reden können werden von Leuten die nicht schreiben können interviewend für Leute die nicht lesen können».
(lacht).
Wie findest Du den Prozess von Interviews?
Einige Leute halten das für notwendig. Ich weiss nicht, ob das wirklich stimmt. Ich lese sehr gerne Interviews von Musikern. Das sticht alle Argumente aus, die ich gegen Interviews habe. Meine Angst ist aber, dass ich meine Arbeit vermutlich mehr untergrabe als sonst irgendjemand. Meiner Meinung nach sollte es genügen, dass sich die Leute mein Album kaufen und es sich anhören. Wenn man mich dann darüber sprechen hört, würde es vermutlich niemand kaufen. Ich habe das Talent nicht allzu gut über meine Arbeit zu sprechen. Ich bin mir nicht sicher, ob das was ich darüber sage wirklich förderlich ist. Aber ich liebe es zu lesen, was andere darüber sagen. Ich verschlinge Interviews von J.J. Cale, ich verschlinge alle Interviews von Leuten die normalerweise keine geben. Das ist ziemlich paradox. Ich selbst gebe lieber keine und mag Leute die das auch nicht tun. Wenn ich jedoch die Möglichkeit habe etwas von denen zu lesen, sauge ich das förmlich auf.
Es ist lustig, dass Du J.J. Cale erwähnst. Er lebt sehr zurückgezogen im Norden von San Diego County. Er gibt nur alle zwölf Jahre ein Interview.
(lacht).
Als ich die ihn das letzte Mal sah, wollte ich die Rechnung für das Essen bezahlen. Er schnappte sie mir weg und sagte: "Ich zahle." Eric Clapton verkauft ja genug CDs?
(lacht herzlich).
Ist das so was wie deine Berufung Songs von anderen Leuten aufzunehmen und die Einnahmen gehen dann an sie oder deren Erben?
Für mich ist das Teil des Geschäfts. Es mildert die Tatsache, dass ich von meinem eigenen Output nicht wirklich überzeugt bin, aber es anderen vielleicht helfen kann.
Weshalb denkst Du nicht besser von deiner eigenen Arbeit?
Ich tu’s einfach nicht. Ich denke nur es ist OK. Der Gegenstand meiner Arbeit war schon immer über meinen eigenen Standart hinaus zu kommen. Ich denke ich werde niemals so gut sein wie die Leute die ich bewundere.
Wer sind die Leute deren Standart Du erreichen möchtest.
J.J. Cale kommt dem sehr nahe. Ich mag seine Prinzipien; er ist ein Mann mit Prinzipien.
Du hast vor einigen Jahren an der Seite von Wynton Marsalis im Appollo Theater in Harlem ein Benefiz-Konzert zugunsten für Jazz At Lincoln Center gegeben. Welche Songs hast Du da gespielt?
Ja, ich war Gast an einem seiner Benefiz-Konzerte. Ich spielte Nobody Knows When You’re Down and Out? von Bessie Smith und ein Song von Louis Armstrong, dessen Titel mir nicht mehr einfällt.
Wie war es mit Wynton und seiner Band zu spielen?
Es war sehr nervenaufreibend. Ray Charles war auch mit dabei und er machte Fehler während den Proben und sogar während des Konzerts. Wynton brachte einige sehr vielfältige und schwierige Arrangements. Ich musste die beinahe ignorieren und einfach nur mein Ding spielen. Es war grossartig das ganze danach auf Band zu hören und es war genial mit Wynton zu arbeiten.
Hast Du vor noch mehr mit ihm zu machen?
Ich denke schon, wir sind sehr gut miteinander ausgekommen.
Ich fand es schon immer bewundernswert und auch ironisch, dass Europäer mehr über amerikanischen Blues und R&B wissen als die Amerikaner selbst. Art Blakey war erstaunt, als er das erste Mal 1959 Durch Japan tourte, dass es dort Leute gab die mehr über seine Kariere wussten als er selbst. Und Robert Cray erzählte, als er in Brasilien spielte, er dort mehr Blues und R&B im Radio hörte als in Amerika. Weshalb denkst Du hat sich eine ganzeGeneration von Engländern, einschliesslich dir, Ende der 50er Anfang der 60er Jahre mit Blues beschäftigt, während die Amerikaner, die diese Musik vor der eigenen Haustür hatten, sie einfach ignorierten? Oder zumindest ignorierten bis Band wie die Yardbirds, die Stones oder Cream begannen die Songs von B.B. King, Robert Johnson und all den anderen Blues Grössen zu singen?
Das ist ganz einfach. Wir realisieren die Dinge nie, die direkt vor unserer Nase sind. Wir hatten dasselbe Problem in England. Greg Phillinganes (ein bekannter afroamerikanischer Keyboarder und Langzeit Mitglied in Claptons Band) ist so ein Beispiel. Er wurde nicht etwa von Ray Charles inspiriert, sondern von Dave Clark Five. Das schockierte mich zutiefst. Ich realisierte, dass in den &0er Jahren sogar schwarze R&B Musiker vor den Beatles Respekt hatten. Das zeigt, dass es dieses Phänomen auf beiden Seiten des Ozeans gibt. In England konnten wir die Situation in Amerika von einer ganz anderen Seite betrachten. Wir mussten uns nicht mit Problemen wie Bürgerrechte und der politischen Situation auseinander setzten, welche vermutlich die amerikanische Gesellschaft überschattete und schwierige Aufgaben mit sich brachten. Als ich begann hier Radio zu hören, kam alles das Spass machte und gut war aus Übersee. Ich mochte nichts, dass von Cliff Richard und Billy Furt und Marty Wilde und den Leuten kam. Meiner Meinung nach ist das alles Müll. Ich mochte sie nicht, weil sie Engländer sind. Ich mochte Buddy Holly und Chuck Berry und Fats Domino. Als ich das erste Mal ein Bild von Chuck sah, dachte ich er sei Kubaner oder Mexikaner! Ich hatte keine Ahnung was die politische Einstellung dieser Leute war. Somit konnte ich ohne Vorurteile ihre Musik hören; nichts drehte sich um politische oder soziale Fragen. Die Amerikaner hatten all diese grossartige Künstler wie Muddy und B.B. die sie hören konnten und von ihnen lernen.
Inwiefern änderte sich deine Perspektive, nachdem Du Muddy getroffen und dich mit ihm angefreundet hast?
Es hat sich nicht an meiner Verehrung für ihn geändert. Ich war immer sehr vorsichtig, wenn ich Leute traf die ich bewunderte. Wenn man einen Komiker gut findet und ihn dann trifft, hat man zwangsläufig das Gefühl etwas Komisches sagen zu müssen. Es ist sehr schwierig für mich mit jemandem Freundschaft zu schliessen den ich gut finde; ich will diese Ehrfurcht bewahren und sie auf dem Sockel lassen, auf den ich sie gestellt habe. Der Moment indem wir dann gleichberechtigte Freunde wird irritiert mich (lacht. Als ich Muddy traf habe ich versucht ihn auf Distanz zu halten und ihn als Vater Figur zu sehen und es scheint, als ob er sich in dieser Rolle wohl fühlt.
Und was ist mit deiner Freundschaft zu B.B .
Wir kommen gut miteinander klar und er behandelt mich gleichwertig, aber ich kann das nicht so sehen. Er ist wie eine Vaterfigur oder ein Onkel. Für mich ist er dieser geniale Künstler und ich sehe mich niemals in derselben Liga wie ihn.
Da wir gerade von Miles sprechen. Er gab bis jetzt die beste Antwort auf folgende Frage: Wie möchtest Du der Nachwelt in Erinnerung bleiben?
Oh mein Gott.
Wie und für was?
Ich glaube einfach nur als Botschafter für die Musik und als Geselle.
Interessant, dass Du das Wort Geselle (Journeyman) verwendest. Dein Album von 1989 trägt diesen Titel. In Amerika bedeutet das Händler und ist nicht wirklich schmeichelhaft. In England hingegen bedeutet es so etwas wie Handwerker .
Ja, das ist unsere Definition, ein Arbeiter der viel reist und so viel Arbeitet wie er kann.